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Hundefutter-Deklaration lesen: Schlechtes Futter erkennen

18.7.202612 min Lesezeit
Hundefutter-Deklaration lesen: Schlechtes Futter erkennen
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Auf einen Blick

  • Gutes Zeichen: Offene Deklaration — jede Zutat einzeln mit Prozentangabe
  • Warnsignal: Sammelbegriffe wie "Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse" ohne Tierart und Prozente
  • Häufigste Tricks: Splitting, Frischfleisch-Angabe, "mit"-Formulierungen (4-%-Regel)
  • Merksatz: Je genauer ein Hersteller deklariert, desto weniger hat er zu verstecken

Die Kurzantwort: Woran du gutes Hundefutter in 30 Sekunden erkennst

Die Hundefutter-Deklaration verrät dir mehr über die Qualität eines Futters als jede Werbeaussage auf der Vorderseite — wenn du weißt, worauf du achten musst. Gutes Futter erkennst du in 30 Sekunden an drei Punkten: Es hat eine offene Deklaration (jede Zutat einzeln benannt), an Position 1 der Zutatenliste steht eine benannte tierische Proteinquelle (z. B. "Entenfleischmehl" statt "Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse"), und die wichtigsten Zutaten tragen konkrete Prozentangaben. Nach über 500 analysierten Futterprodukten kann ich dir sagen: Diese Drei-Punkte-Prüfung sortiert etwa 80 % der schwachen Produkte aus, bevor du überhaupt auf den Preis geschaut hast.

  1. Offene Deklaration? Einzelne Zutaten statt Sammelbegriffe → gut
  2. Position 1: Benannte Tierart mit Prozentangabe (z. B. "Ente 26 %") → gut
  3. Prozentangaben bei den Hauptzutaten vorhanden → gut

Warum das funktioniert und welche Tricks Hersteller nutzen, um genau diese Prüfung zu umgehen, schauen wir uns jetzt im Detail an.

Offene vs. halboffene vs. geschlossene Deklaration

In der Praxis begegnen dir drei Deklarationstypen — und der Typ allein ist schon ein starkes Qualitätssignal:

TypBeispielWas du daraus liest
Offen"Entenfleisch (26 %), Kartoffeln (22 %), Entenleber (5 %), Lachsöl (3 %) …"Jede Zutat einzeln mit Prozentangabe — maximale Transparenz
Halboffen"Geflügelfleischmehl (24 %), Mais, Reis, Geflügelfett …"Zutatengruppen benannt, teilweise mit Prozenten — solide Mittelklasse
Geschlossen"Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse, Getreide, pflanzliche Nebenerzeugnisse"Nur Kategorien, keine Tierart, keine Prozente — Blindflug für dich

Was der Gesetzgeber verlangt — und was nicht

Hier liegt das Kernproblem: Das EU-Futtermittelrecht erlaubt beide Wege. Ein Hersteller darf die Zusammensetzung entweder mit Einzelfuttermitteln (also konkreten Zutaten wie "Huhn", "Reis", "Leinsamen") angeben — oder mit gesetzlich definierten Kategorien wie "Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse" oder "Getreide". Beides ist legal, beides ist formal korrekt deklariert. Die geschlossene Deklaration ist also kein Gesetzesverstoß — aber sie ist eine bewusste Entscheidung des Herstellers, dir Informationen vorzuenthalten. Und meine Erfahrung aus hunderten Produktanalysen ist eindeutig: Wer hochwertige Zutaten einkauft, schreibt sie stolz aufs Etikett. Wer Sammelbegriffe nutzt, hat dafür fast immer einen Grund.

Warum "Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse" alles und nichts bedeutet

Diese vier Wörter sind der meistgelesene Satz auf deutschen Futteretiketten — und der nichtssagendste. Die Kategorie deckt die gesamte Bandbreite ab: von hochwertigem Muskelfleisch und nährstoffreicher Leber bis zu Schlachtabfällen mit geringem ernährungsphysiologischem Wert. Welche Tierart? Unbekannt — und sie darf von Charge zu Charge wechseln, je nachdem, welcher Rohstoff gerade günstig ist. Genau das ist übrigens ein Problem für Allergiker-Hunde: Wenn du nicht weißt, welches Protein im Napf landet, kannst du Unverträglichkeiten weder erkennen noch vermeiden. Mehr dazu liest du im Ratgeber Hypoallergenes Hundefutter.

Zutatenliste entschlüsseln: Die häufigsten Tricks der Hersteller

Die Zutatenliste ist absteigend nach Gewichtsanteil sortiert — was vorne steht, ist am meisten drin. Klingt einfach, lässt sich aber auf mindestens drei Arten schönrechnen. Wenn du deine Hundefutter-Zutatenliste lesen und wirklich verstehen willst, musst du diese drei Tricks kennen:

Trick 1: Splitting — Getreide auf mehrere Positionen verteilen

Statt "Weizen 40 %" liest du: "Weizenmehl, Weizenkleie, Weizengrieß, Weizenstärke" — vier Positionen, jede einzeln kleiner als der Fleischanteil, der dadurch auf Platz 1 rutscht. In Summe kann das Getreide trotzdem die dominante Zutat sein. Mein Tipp: Zähle beim Lesen alle Positionen derselben Grundzutat gedanklich zusammen. Tauchen drei oder mehr Varianten von Weizen, Mais oder Reis auf, ist das fast immer Absicht.

Trick 2: Der Frischfleisch-Trick — Wasser zählt mit

"Mit 25 % frischem Huhn" klingt großartig. Der Haken: Frisches Fleisch besteht zu rund 70 % aus Wasser, und bei der Trockenfutter-Herstellung (Extrusion) verdampft dieses Wasser fast vollständig. Von 25 % Frischfleisch im Rohansatz bleiben im fertigen Trockenfutter real nur etwa 7 bis 8 % Trockenanteil übrig — je nach Rezeptur auch weniger. Ein Futter mit "20 % Geflügelfleischmehl" (bereits getrocknet, also konzentriert) enthält damit deutlich mehr tierisches Protein als eines mit "25 % frischem Huhn". Seriöse Hersteller kombinieren deshalb beides oder rechnen die Angabe auf Trockenmasse um — und schreiben das dazu.

Trick 3: "Mit"-Angaben und die 4-%-Regel

Steht auf der Packung "mit Rind", muss nach der üblichen Kennzeichnungspraxis nur ein Mindestanteil von 4 % Rind enthalten sein — die restlichen tierischen Bestandteile können von ganz anderen Tierarten stammen. Noch schwächer: Formulierungen wie "mit Rindgeschmack", hinter denen oft weniger als 4 % oder nur Aromen stecken. Erst Bezeichnungen wie "reich an Rind" oder ein Sortenname wie "Rind pur" signalisieren üblicherweise deutlich höhere Anteile. Faustregel: Je kleiner das Wörtchen vor der Tierart, desto kleiner der Anteil dahinter.

Experten-Tipp von Marc

"Mein 60-Sekunden-Test im Laden: Ich drehe die Packung um und ignoriere die Vorderseite komplett — die ist Marketing. Dann prüfe ich nur drei Dinge: Steht an Position 1 eine benannte Tierart mit Prozentangabe? Taucht dieselbe Getreidesorte mehrfach auf? Und passt der beworbene Frischfleisch-Anteil zur restlichen Liste? Wer diese drei Fragen beantworten kann, kauft besser ein als 90 % aller Hundehalter."

Analytische Bestandteile verstehen: Rohprotein, Rohfett, Rohasche & Co.

Was die Werte aussagen — und was nicht

Die analytischen Bestandteile beim Hundefutter sind Laborwerte, keine Qualitätsurteile. Rohprotein misst den Gesamtstickstoffgehalt — es sagt dir, wie viel Protein drin ist, aber nicht, woher es stammt. Ein hoher Rohproteinwert kann aus hochwertigem Muskelfleisch kommen oder aus schwer verwertbaren Quellen mit geringer biologischer Wertigkeit. Deshalb gilt: Rohprotein immer zusammen mit der Zutatenliste lesen. Rohfett ist der Energielieferant, Rohfaser der unverdauliche Ballaststoffanteil, und Rohasche ist — entgegen dem unglücklichen Namen — keine zugesetzte Asche und kein Füllstoff, sondern der Mineralstoffgehalt, der im Labor nach dem Veraschen der Probe übrig bleibt (Kalzium, Phosphor, Zink & Co.). Werte zwischen 5 und 8 % sind bei Trockenfutter normal; deutlich höhere Werte können auf viel Knochenanteil hindeuten.

Richtwerte für Adult-Futter — und der Trockenmasse-Vergleich

Als Orientierung für gesunde, normal aktive erwachsene Hunde (Basis: FEDIAF-Nährstoffempfehlungen als Branchenstandard):

WertTrockenfutter (Adult)Nassfutter (Adult)
Rohprotein20–30 %8–12 %
Rohfett10–20 %4–8 %
Rohfaser2–4 %0,5–1,5 %
Rohasche5–8 %1,5–2,5 %
Feuchtigkeitca. 10 %75–80 %

Wichtig: Nass- und Trockenfutter kannst du niemals direkt vergleichen, weil Nassfutter zu 75–80 % aus Wasser besteht. Der faire Vergleich läuft über die Trockenmasse. Beispiel: Ein Nassfutter mit 10,5 % Rohprotein und 78 % Feuchtigkeit hat 22 % Trockenmasse — in der Trockenmasse also 10,5 ÷ 0,22 ≈ 48 % Protein. Ein Trockenfutter mit 25 % Rohprotein und 10 % Feuchte kommt auf 25 ÷ 0,9 ≈ 28 %. Das scheinbar "proteinarme" Nassfutter ist in der Trockenmasse also oft deutlich fleischreicher. Was das für die Wahl der Futterform bedeutet, liest du im großen Vergleich Trockenfutter vs. Nassfutter.

Tierische Nebenerzeugnisse: Nicht automatisch schlecht

Jetzt wird es differenziert — denn hier machen es sich viele Ratgeber zu einfach. "Tierische Nebenerzeugnisse" ist zunächst nur eine Kategorie für alles, was nicht Skelettmuskelfleisch ist. Und dazu gehören auch ernährungsphysiologisch wertvolle Innereien: Leber liefert Vitamin A, Eisen und Kupfer in einer Dichte, die Muskelfleisch nie erreicht. Pansen und Herz sind klassische, gut verwertbare Proteinquellen — ein Wolf frisst seine Beute schließlich auch nicht als Filet. Ein Futter, das "Rinderleber (5 %)" oder "Pansen (10 %)" offen deklariert, verdient keinen Abzug, sondern Pluspunkte.

Das Problem sind nicht Nebenerzeugnisse an sich, sondern unbenannte Nebenerzeugnisse. Hinter dem Sammelbegriff können eben auch minderwertige Schlachtreste mit schlechter Verdaulichkeit stecken — und du hast keine Chance zu erkennen, was davon im Napf landet. Meine Regel deshalb: Benannte Innereien mit Prozentangabe = gut. Anonymer Sammelbegriff ohne Tierart = Finger weg, wenn es Alternativen gibt.

Praxis-Check: 3 Deklarationen im Vergleich

So sieht die Theorie in der Praxis aus. Die folgenden drei Muster-Deklarationen sind anonymisiert, aber typisch für ihr jeweiliges Preissegment — genau solche Etiketten findest du im Regal:

SegmentZusammensetzung (Muster)Mein Urteil
Budget (< 3 €/kg)"Getreide, Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (4 % Rind), pflanzliche Nebenerzeugnisse, Öle und Fette, Zucker"Geschlossene Deklaration, Getreide an Position 1, nur 4 % benanntes Fleisch, Zucker hat im Hundefutter nichts verloren — Finger weg
Mittelklasse (3–6 €/kg)"Geflügelfleischmehl (24 %), Mais, Reis, Geflügelfett, Rübenfaser, Leinsamen"Halboffen: Proteinquelle benannt und beziffert, Getreide ehrlich gelistet — solide Basis, kein Grund zur Panik
Premium (6–12 €/kg)"Entenfleisch (26 %), Süßkartoffel (21 %), getrocknetes Entenprotein (12 %), Entenleber (5 %), Lachsöl (3 %), Kräuter"Offene Deklaration, jede Zutat mit Prozentangabe, benannte Innereien — so sieht Transparenz aus

Und welche echten Produkte machen es vorbildlich? Drei Beispiele aus meinen Analysen, bei denen die Deklaration hält, was die Packung verspricht — ausführlich getestet habe ich sie im großen Hundefutter Test 2026:

Offene Deklaration

Wolfsblut Wild Duck Adult

Getreidefreies Trockenfutter mit Ente und Kartoffel — Zutaten einzeln benannt und beziffert, so wie es sein soll.

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Hoher Fleischanteil

Rinti Kennerfleisch Mixpaket

Getreidefreies Nassfutter mit 70 % Fleischanteil und klar benannten Tierarten je Sorte — ehrliche Nassfutter-Deklaration.

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Eine Proteinquelle

Josera SensiPlus Ente & Reis

Ente als einzige tierische Proteinquelle, klar deklariert — ideal, wenn du nachvollziehen willst, welches Protein dein Hund bekommt.

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Häufige Fragen zur Hundefutter-Deklaration

Was bedeutet "tierische Nebenerzeugnisse" im Hundefutter?

Das ist die gesetzliche Sammelkategorie für alle tierischen Bestandteile außer reinem Muskelfleisch — von hochwertiger Leber, Herz und Pansen bis zu minderwertigen Schlachtresten. Der Begriff selbst ist also weder gut noch schlecht. Entscheidend ist, ob der Hersteller benennt, welche Nebenerzeugnisse von welcher Tierart enthalten sind. "Rinderleber (5 %)" ist ein Qualitätsmerkmal, ein anonymer Sammelbegriff ohne Prozentangabe ein Warnsignal.

Ist ein hoher Rohproteinwert immer gut?

Nein. Rohprotein misst nur die Proteinmenge, nicht die Qualität oder Verdaulichkeit. 28 % Rohprotein aus benanntem Muskelfleisch und Innereien sind hochwertig; derselbe Wert kann aber auch aus schwer verwertbaren Proteinquellen mit geringer biologischer Wertigkeit stammen. Für normal aktive Adult-Hunde sind 20–30 % Rohprotein im Trockenfutter ein sinnvoller Rahmen — beurteile den Wert immer zusammen mit der Zutatenliste.

Was ist der Unterschied zwischen offener und geschlossener Deklaration?

Bei der offenen Deklaration listet der Hersteller jede Zutat einzeln mit Prozentangabe auf ("Entenfleisch 26 %, Kartoffeln 22 %…"). Bei der geschlossenen Deklaration stehen nur gesetzlich erlaubte Kategorien wie "Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse" oder "Getreide" — ohne Tierart und ohne Mengenangaben. Beide Varianten sind rechtlich zulässig, aber nur die offene Deklaration erlaubt dir eine echte Qualitätsbewertung.

Warum steht Frischfleisch an Position 1, obwohl wenig Fleisch drin ist?

Weil die Zutatenliste nach dem Gewicht vor der Verarbeitung sortiert wird. Frisches Fleisch besteht zu rund 70 % aus Wasser und ist dadurch schwer — es rutscht auf Position 1. Bei der Trockenfutter-Herstellung verdampft das Wasser aber: Aus "25 % frischem Huhn" bleiben im fertigen Futter real nur etwa 7–8 % Trockenanteil. Getrocknetes Fleischmehl an Position 1 oder 2 liefert oft mehr tierisches Protein als eine hohe Frischfleisch-Angabe.

Ist Rohasche ein Füllstoff im Hundefutter?

Nein — das ist eines der hartnäckigsten Missverständnisse. Rohasche ist keine Zutat, die zugesetzt wird, sondern ein Laborwert: der Mineralstoffgehalt (Kalzium, Phosphor, Zink, Eisen …), der übrig bleibt, wenn die Futterprobe bei der Analyse verascht wird. 5–8 % sind bei Trockenfutter völlig normal und sogar notwendig, denn dein Hund braucht diese Mineralstoffe. Auffällig hohe Werte deutlich über 10 % können allerdings auf einen hohen Knochenanteil hindeuten.

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Marc Böhle
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