Futtermenge Hund berechnen: Wie viel braucht mein Hund?

Auf einen Blick
- Geeignet für: alle Hundehalter, die Über- oder Unterfütterung vermeiden wollen
- Faustregel Trockenfutter: ca. 1,5 – 3 % des Körpergewichts pro Tag
- Faustregel Nassfutter: ca. 3 – 4 % des Körpergewichts pro Tag
- Genau: Kalorienbedarf über RER × Aktivitätsfaktor berechnen
Wie viel Futter braucht mein Hund?
Um die Futtermenge für deinen Hund zu berechnen, gehst du am besten über den Kalorienbedarf: Zuerst den Ruhebedarf (RER = 70 × Körpergewicht in kg hoch 0,75), dann multipliziert mit einem Aktivitätsfaktor von 1,2 bis 3,0. Als schnelle Faustregel gilt: Ein normal aktiver Hund braucht pro Tag etwa 1,5 – 3 % seines Körpergewichts an Trockenfutter oder 3 – 4 % an Nassfutter. Ein 20-kg-Hund liegt damit grob bei 300 – 450 g Trockenfutter oder 600 – 800 g Nassfutter am Tag. Die exakte Menge steht immer auf deiner Futterpackung – die folgende Rechnung hilft dir, sie zu überprüfen und individuell anzupassen.
Die Formel: RER und MER einfach erklärt
Der Energiebedarf eines Hundes besteht aus zwei Bausteinen: dem RER (Resting Energy Requirement – was der Körper in Ruhe verbraucht) und dem MER (Maintenance Energy Requirement – der tatsächliche Tagesbedarf inklusive Bewegung). Diese Formeln sind der Standard in der Tierernährung und deutlich genauer als jede pauschale Grammangabe.
RER berechnen – mit Rechenbeispielen
Die Formel lautet: RER = 70 × (Körpergewicht in kg)0,75. Das Ergebnis ist der Ruhe-Energiebedarf in Kilokalorien (kcal) pro Tag. So sieht das konkret aus:
- 10-kg-Hund: 70 × 100,75 = 70 × 5,62 ≈ 394 kcal
- 25-kg-Hund: 70 × 250,75 = 70 × 11,18 ≈ 783 kcal
- 40-kg-Hund: 70 × 400,75 = 70 × 15,91 ≈ 1.114 kcal
Kein Taschenrechner mit Potenzfunktion zur Hand? Dann taugt als grobe Näherung: RER ≈ 30 × Körpergewicht + 70. Für den 10-kg-Hund kommst du damit auf 370 kcal – nah genug am exakten Wert.
Aktivitätsfaktor (MER) als Tabelle
Den RER multiplizierst du mit dem Faktor, der zur Lebenssituation deines Hundes passt. So wird aus dem Ruhebedarf der echte Tagesbedarf (MER):
| Lebenssituation | Aktivitätsfaktor |
|---|---|
| Kastriert / zu Übergewicht neigend | 1,2 – 1,4 |
| Leicht aktiv / Wohnungshund | 1,4 |
| Normal aktiv (erwachsen, unkastriert) | 1,6 |
| Sehr aktiv / Sporthund | 2,0 – 5,0 |
| Welpe (bis 4 Monate) | 3,0 |
| Welpe (4 Monate bis ausgewachsen) | 2,0 |
| Trächtige Hündin (letztes Drittel) | 1,6 – 2,0 |
| Säugende Hündin | 2,0 – 6,0 |
| Senior (ruhig) | 1,2 – 1,4 |
| Übergewicht (Abnahme gewünscht) | 1,0 |
Beispiel: Ein normal aktiver, unkastrierter 25-kg-Hund: 783 kcal × 1,6 = rund 1.253 kcal pro Tag. Enthält sein Trockenfutter 360 kcal pro 100 g, entspricht das etwa 348 g Futter täglich.
Wichtig bei Welpen & besonderen Zuständen: Bei Welpen, trächtigen oder kranken Hunden sind diese Faktoren nur Richtwerte. Wachstum, Kalzium-Phosphor-Verhältnis und Fütterungsintervalle solltest du individuell mit deinem Tierarzt abstimmen. Mehr zur richtigen Welpenfütterung findest du im Welpenfutter-Guide.
Futtermengen-Tabelle nach Gewicht (Trocken- und Nassfutter)
Wenn du es schnell brauchst: Diese Hundefutter-Mengen-Tabelle zeigt die ungefähre Tagesration für einen normal aktiven, erwachsenen Hund. Basis sind mittlere Energiedichten (Trockenfutter ca. 360 kcal/100 g, Nassfutter ca. 85 kcal/100 g). Passe die Werte nach oben oder unten an, wenn dein Hund sehr aktiv, kastriert oder ein Senior ist.
| Gewicht | Tagesbedarf (kcal) | Trockenfutter (g/Tag) | Nassfutter (g/Tag) |
|---|---|---|---|
| 5 kg | ca. 375 kcal | ca. 105 g | ca. 440 g |
| 10 kg | ca. 630 kcal | ca. 175 g | ca. 740 g |
| 20 kg | ca. 1.060 kcal | ca. 295 g | ca. 1.250 g |
| 30 kg | ca. 1.440 kcal | ca. 400 g | ca. 1.690 g |
| 40 kg | ca. 1.780 kcal | ca. 495 g | ca. 2.100 g |
Du siehst sofort: Beim reinen Nassfutter braucht ein großer Hund enorme Mengen – deshalb ist Nassfutter pur bei Riesenrassen selten praktikabel und Mischfütterung oft die clevere Lösung.
Experten-Tipp von Marc
"Ich sehe es ständig: Halter füttern nach Bauchgefühl und wundern sich über die Speckrolle. Mein Rat – wieg das Futter vier Wochen lang mit einer Küchenwaage ab, statt mit dem Messbecher zu schätzen. Ein gehäufter Becher wiegt schnell 20 – 30 % mehr als der Sollwert. Genau diese unsichtbaren Extra-Kalorien machen aus einem schlanken Hund über Monate einen dicken."
Trockenfutter, Nassfutter oder Mischfütterung – so rechnest du um
Der Schlüssel ist die Energiedichte: Trockenfutter hat mit rund 330 – 400 kcal/100 g etwa die vierfache Energie von Nassfutter (ca. 70 – 100 kcal/100 g). Deshalb kannst du Mengen nie 1:1 übertragen – du musst über die Kalorien rechnen. Die kcal-Angabe steht auf jeder Packung unter "umsetzbare Energie".
So gehst du vor: Tagesbedarf in kcal (aus der Formel oben) geteilt durch die kcal pro 100 g des Futters, mal 100 = deine Grammmenge. Ein 20-kg-Hund mit 1.060 kcal Bedarf und einem Trockenfutter mit 380 kcal/100 g braucht also 1.060 / 380 × 100 ≈ 279 g täglich.
Bei Mischfütterung teilst du den Bedarf anteilig auf, zum Beispiel 50/50: Die Hälfte der Kalorien deckst du mit Trockenfutter, die andere Hälfte mit Nassfutter – jeweils separat in Gramm umgerechnet. Ein solides Preis-Leistungs-Trockenfutter als Basis ist zum Beispiel Happy Dog NaturCroq Balance, für die Nassfutter-Komponente greife ich gern zum getreidefreien Rinti Kennerfleisch Mixpaket mit 70 % Fleischanteil.
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Die 10-%-Leckerli-Regel: Snacks, Kausnacks und Trainingsleckerli zählen mit! Sie dürfen maximal 10 % des Tagesbedarfs ausmachen – und diese Kalorien musst du von der Futtermenge abziehen. Bei einem 10-kg-Hund mit 630 kcal Bedarf sind das gerade mal 63 kcal für Leckerli. Das ist schneller erreicht, als du denkst.
Unterschiede zwischen Trocken- und Nassfutter – von Verdaulichkeit bis Zahngesundheit – erkläre ich ausführlich im Vergleich Trockenfutter vs. Nassfutter.
Passt die Menge? Body Condition Score als Kontrolle
Keine Formel ersetzt den Blick und die Hand am Hund. Der Body Condition Score (BCS) auf einer Skala von 1 bis 9 ist die zuverlässigste Kontrolle. Der Idealbereich liegt bei 4 bis 5:
- BCS 1–3 (zu dünn): Rippen, Wirbel und Beckenknochen deutlich sichtbar, keine tastbare Fettschicht, Taille stark eingezogen.
- BCS 4–5 (ideal): Rippen ohne Druck fühlbar, aber nicht sichtbar. Von oben eine erkennbare Taille, von der Seite ein hochgezogener Bauch.
- BCS 6–9 (zu dick): Rippen nur mit Druck oder gar nicht tastbar, keine Taille, Fettpolster über Lende und Rutenansatz.
Der Rippen-Test: Streiche mit flacher Hand über den Brustkorb. Fühlt es sich an wie über den Handrücken (Knochen unter dünner Haut), ist der Hund ideal. Fühlt es sich an wie über die Handfläche (Polster darüber), ist er zu dick. Passe die Futtermenge dann in 10-%-Schritten an und kontrolliere nach zwei bis drei Wochen erneut – nie radikal reduzieren.
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Häufige Fehler bei der Futtermenge
- Mit dem Messbecher schätzen: Ungenau bis zu 30 %. Immer abwiegen.
- Leckerli nicht abziehen: Der häufigste Grund für schleichendes Übergewicht.
- Nach Packungsangabe füttern, ohne anzupassen: Hersteller-Angaben sind oft großzügig kalkuliert und ignorieren Kastration oder Alter.
- Trocken- und Nassfutter-Mengen gleichsetzen: Immer über Kalorien rechnen, nie über Gramm.
- Nie den Körperzustand kontrollieren: Die Waage und der Rippen-Test sind wichtiger als jede Tabelle.
Und ein Sonderfall zum Schluss: Bei akutem Durchfall geht es nicht um die normale Menge, sondern um Schonkost und angepasste Portionen – das erkläre ich im Ratgeber zu Hundefutter bei Durchfall.
Häufige Fragen
Wie oft am Tag sollte ich meinen Hund füttern?
Erwachsene Hunde füttert man idealerweise zweimal täglich – morgens und abends. Zwei Mahlzeiten entlasten die Verdauung und beugen bei großen Rassen einer gefährlichen Magendrehung vor. Welpen brauchen anfangs drei bis vier kleinere Mahlzeiten pro Tag.
Wie viel Trockenfutter braucht ein 10-kg-Hund?
Ein normal aktiver 10-kg-Hund braucht etwa 630 kcal am Tag, das entspricht bei mittlerer Energiedichte rund 175 g Trockenfutter täglich. Die exakte Menge hängt von der kcal-Angabe deines Futters ab – teile den Tagesbedarf durch die kcal pro 100 g und multipliziere mit 100.
Muss ich Leckerli von der Futtermenge abziehen?
Ja, unbedingt. Leckerli dürfen maximal 10 % des Tagesbedarfs ausmachen, und diese Kalorien musst du vom Hauptfutter abziehen. Sonst schleicht sich Übergewicht ein. Nutze am besten kalorienarme Trainingssnacks und rechne größere Kausnacks ebenfalls mit ein.
Soll ich nach Kalorien oder nach Gramm füttern?
Kalorien sind genauer, weil sich die Energiedichte zwischen Futtersorten stark unterscheidet. Die Gramm-Menge ergibt sich immer aus dem Kalorienbedarf geteilt durch die Energiedichte deines konkreten Futters. Für den Alltag reicht es, einmal die passende Grammmenge auszurechnen und dann konstant abzuwiegen.
Woran erkenne ich, ob mein Hund zu viel oder zu wenig frisst?
Der Body Condition Score verrät es dir: Sind die Rippen ohne Druck fühlbar, aber nicht sichtbar, und hat der Hund von oben eine erkennbare Taille, passt die Menge. Sichtbare Rippen deuten auf zu wenig, nicht tastbare Rippen und fehlende Taille auf zu viel Futter hin. Bei ungewolltem Gewichtsverlust oder starkem Übergewicht solltest du tierärztlichen Rat einholen.
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